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Virtuelles Kraftwerk getestet

09.08.2018

Energiewende handfest: Regionetz erforscht im Quirinus-Projekt, wie künftige regionale Stromnetze stabil arbeiten können. Am Braunkohletagebau Inden haben die Projektpartner Mitte Juli ein virtuelles Kraftwerk installiert.

Lösen "virtuelle Kraftwerke" das Problem, künftige regionale Stromnetze stabil zu halten? Darum ging es in einem gemeinsamen Versuch der Partner im Quirinus-Projekt, der Mitte Juli auf einem Feld am Tagebau Inden stattfand. Geführt wird das Projekt-Konsortium von Regionetz, mit dabei sind Energieversorger, Hersteller und Betreiber von Anlagen wie Daten-Kommunikation, Schwungradspeicher und Kraft-Wärme-Kopplung sowie zwei Forschungsinstitute.

Der Hintergrund: Mit der Energiewende nehmen zahlreiche kleinere Anlagen, die erneuerbare Energie liefern, immer stärker an der Stromversorgung teil. Da Wind und Sonne unregelmäßig verfügbar sind und der Strom aus den dezentral verteilten regenerativen Anlagen an vielen verschiedenen Stellen eingespeist wird, ist es eine neue Herausforderung, das Stromnetz stabil zu halten – das heißt: die Erzeugung und den Verbrauch von Strom in Einklang zu bringen.

Am Braukohletagebau simulierte man nun, wie ein Stromnetz trotz solch schwankender Auslastung stabil gehalten werden kann. Der Versuchsaufbau: Ein Gasmotor in einem Seecontainer, der als BHKW fungierte der Firma 2G. Ein Stahlbehälter, in dem ein Schwungradspeicher der Jülicher Firma Stornetic elektrische Energie in mechanische Energie verwandelte und umgekehrt. Drittens eine aktive Pumpengalerie des RWE-Tagebaus und damit ein Verbraucher, der viel Strom aus dem Netz saugt. Mit anspruchsvoller Leittechnik wurden diese Komponenten zu einer Einheit verkabelt.

Im Versuch wurden nun die Pumpen von einer Sekunde auf die andere abgeschaltet. Der Schwungradspeicher fing die freigewordene Energie ab und "parkte" sie in seinen 24 rotierenden Kohlefaser-Zylindern. Sie können für kurze Zeit bis zu 200 Kilowatt überbrücken. Damit stabilisierte der Speicher das experimentelle Stromverteilnetz in Sekundenbruchteilen, bis das BHKW seine Leistung gedrosselt hatte. Dann wurden die Pumpen plötzlich wieder zugeschaltet. Die Schwungräder erzeugten den ersten Strom wie eine bremsende Straßenbahn und versorgten die Energieverbraucher unterbrechungsfrei mit der nötigen Power. Dann war auch das BHKW wieder hochgefahren.

Neben diesem führen die Quirinus-Partner weitere Feldversuche durch, die sich mit der Betriebspraxis regionaler virtueller Flächenkraftwerke befassen.

www.quirinus-projekt.de